Antiautoritäre Erziehung?

Ich habe diese Woche etwas erlebt, was mich wirklich zweifeln ließ, ob das wirklich damals die Grundidee war, als das Thema antiautoritäre Erziehung aufkam. Ich kann es nicht glauben. Denn die Grundidee, dass sich Kinder frei entfalten und entwickeln können ist an sich ganz toll. Aber bitte doch nicht so ganz ohne Grenzen. So, jetzt will ich erstmal erzählen was sich zugetragen hat.

Ich war beim Shoppen mit einer Freundin, als sich folgendes ereignete. Meine Freundin und ich waren in einem Bekleidungsgeschäft, während sie etliche Sachen probierte, saß ich ganz „brav“ vor der Umkleidekabine um das eine oder andere Statement abzugeben, wenn sie erwartungsvoll nach einer Umzugssession vor die Umkleide trat. Nebenan in der Kabine auch eine Frau die ab und an ein Feedback von mir forderte. Und mittendrin ein Kind von geschätzten 6 oder 7 Jahren. Welches natürlich, weil in einem Geschäft mit Textilien völlig deplaziert war, nichts mit sich anzufangen wußte, wild rumschrie und die eine oder andere liebevoll gestaltete Dekoration zerstörte oder versuchte damit ein Spiel zu entwickeln. Ich dachte die ganze Zeit nur, warum sagt die Mutter von dem kleinen Wirbelwind denn nichts und wo ist die Mutter überhaupt. Der Zwerg tat zwar die ganze Zeit so, als würde er alles was er tat für jemanden zu kommentieren und ich hörte auch wie er ab und an das Wort Mama mit einfliessen ließ, aber man konnte augenscheinlich niemanden erkennen der sich angesprochen fühlte. Ich fragte ihn, ob er seine Mama suche und ob er bitte die Dekoration im Urzustand belassen könnte. Seine Antwort war ein ausgestreckter Mittelfinger und ein unmißverständliches Halt`s Maul. Ups, dachte ich, was für ein nettes Kerlchen mit einer erstklassigen Erziehung. Als er sich für das Reinigen des Bodens mit der in dem Laden angebotenen Kleidung entschieden hatte und mit dem ordnungsgemäßen Zustand der Kleiderbügel nicht so recht zufrieden war, trat eine Verkäuferin in das Geschehen. Und während sie das Kind autoritär maßregelte, trat die Frau, die neben der Kabine meiner Freundin seelenruhig die ganze Zeit Sachen anprobiert hatte, raus und sagte: Was machen sie mit meinem Kind? Der Junge reagierte jetzt prompt auf die Maßregelung der Verkäuferin, in seiner ganz eigenen Art, die mir bereits annähernd bekannt war. Er trat der Verkäuferin genüsslich gegen das Schienenbein und sagte, was willst du denn von mir. Damit war der Fall für ihn erledigt und er ging zu seiner Mutter. So dachte ich, jetzt ist er wirklich zu weit gegangen und erwartete eine autoritäre Ansage der Mutter zu dem Fehlverhalten, denn das ging ja nunmal gar nicht. Und dann kam tatsächlich was, aber nicht an das Kind gerichtet, sondern an die Verkäuferin. Mich haute es fast aus den Schuhen, als sie sagte: „Ich muss Sie bitten das Verhalten meines Sohnes zu tolerieren. Denn er wird antiautoritär erzogen.“ Ich war geschockt und die Verkäuferin meinte dann: „Das kann doch wohl nicht ihr Ernst sein, ein solche Verhalten mit antiautoiritärer Erziehung zu rechtfertigen. Was soll später aus dem Kind werden, wenn es nicht lernt, dass man derartige Sachen nicht tut, wie Gewalt anwenden, respektloses Verhalten und Mißachtung der Dinge anderer?“ Darauf sagte die Mutter, nur so könne er ein freier und selbständig entscheidener Mensch werden. Er muß selber lernen wie er was, wann und wie tut. Darauf trat die Verkäuferin näher an die Mutter ran und sagte: Ich bin auch antiautoritär erzogen und es ist keinesfalls schlecht von ihnen sich für diese Art der Erziehung entschieden haben, wenn auch in einer fragwürdigen Form. Sagte es und trat der Mutter mit einem charmanten Lächeln gegen das Schienbein und beendete so die Diskussion. Antiautoritäre Erziehung!?

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